Kapitel 4 – Neustart
Teil 16 – Verlust, Kontrolle von außen und ein unerwarteter Halt
Mitte 2020 befand ich mich in einer Phase, die emotional wie organisatorisch extrem fordernd war. Trennungen entstehen selten plötzlich. Meist bauen sie sich über längere Zeit auf leise, schrittweise und oft erst im Rückblick wirklich nachvollziehbar.
Was folgte, waren viele Einschnitte, wie sie in solchen Situationen nicht untypisch sind. Mein Alltag war plötzlich von festen Regelungen geprägt. Auch der Kontakt zu meinen Kindern war klar strukturiert und juristisch geregelt. Für mich persönlich fühlte sich diese Zeit stark fremdbestimmt an, unabhängig davon, was formal richtig oder notwendig war.
Beruflich lief das Unternehmen weiter.
Ich hatte mir ein kleines Team aufgebaut: jemand für Funnels, jemand für Werbeanzeigen und ein Vertriebsteam. Die Abläufe funktionierten. Volkan, mein Head of Sales, war in dieser Phase eine enorme Stütze. Er führte Gespräche, schloss ab und sorgte dafür, dass Umsatz entstand.
Meine Steuerberaterin meldete sich damals bei mir und sagte mir, dass es sich um den besten Umsatzmonat seit 2007 handelte. Das zeigte mir, dass die Strukturen trugen selbst unter maximalem Druck.
Privat sah mein Alltag anders aus.
Ich schlief auf einer Matratze im Esszimmer bei meinen Eltern. Dasselbe Zimmer war gleichzeitig mein zweites Büro. Für mich war das kein Thema von Komfort. Es war eine Übergangsphase – und ich akzeptierte sie so, wie sie war.
Rückblickend fragte ich mich oft, warum es zu dieser Trennung kommen musste. Heute sehe ich klarer, dass wir sehr unterschiedliche Vorstellungen von Sicherheit, Risiko und Zukunft hatten. Diese Unterschiede wurden mit der Zeit immer deutlicher und ließen sich nicht mehr überbrücken.
In dieser Zeit lernte ich eine Frau kennen, die später meine Partnerin wurde.
Der Kontakt entstand ruhig, ohne Erwartungen. Wir wussten beide um die jeweilige Situation des anderen. Nichts wurde forciert. Wir ließen den Dingen ihren Raum.
Irgendwann stand für mich die Frage im Raum, wie meine Kinder auf sie reagieren würden. Ich wollte nichts erzwingen und nichts beschleunigen. Als es sich richtig anfühlte, nahm ich sie eines Tages einfach mit. Ohne große Worte.
Was dann passierte, überraschte mich selbst.
Die Begegnung war offen, herzlich und völlig unaufgeregt. Es fühlte sich nicht fremd an. Eher vertraut. So, als würde etwas zusammenpassen, ohne erklärt werden zu müssen. Für mich war das ein wichtiger Moment und ein innerer Ruhepunkt in einer ansonsten sehr instabilen Zeit.
Mein Alltag bestand damals aus juristischen Terminen, organisatorischen Entscheidungen und dem Versuch, Struktur aufrechtzuerhalten beruflich wie privat. Es war keine leichte Phase. Aber sie zwang mich, Verantwortung klar zu tragen und bewusster mit mir selbst umzugehen.
Ich begann zu verstehen:
Nicht jede Krise bedeutet Stillstand.
Manche markieren den Punkt, an dem man beginnt, neu aufzubauen leiser, klarer und stabiler.
Teil 17 – Neuanfang, Umbruch und Rückkehr zu den Wurzeln
In dieser Zeit bekam meine neue Partnerin sehr genau mit, wie es mir ging und unter welchen Umständen ich lebte. Sie bot mir an, bei ihr zu übernachten. Wir regelten das pragmatisch: Ich kümmerte mich um den Einkauf und übernahm die Kosten.
Für mich waren viele Dinge neu. Sie zeigte mir, wie wichtig die kleinen, alltäglichen Abläufe sind. Struktur, Ruhe, einfache Rituale. Es waren keine großen Gesten, sondern Kleinigkeiten, die Wirkung hatten. Dinge, die Stabilität schaffen, wenn außen vieles unsicher ist.
2021 zogen wir gemeinsam an einen neuen Ort in ein neues Haus. Für uns beide bedeutete das einen bewussten Neustart. Ein neues Umfeld, neue Routinen, ein klarer Schnitt zu vielem, was hinter uns lag.
Ich hatte wieder ein eigenes Büro. Durch die Corona-Pandemie änderte sich für mich beruflich kaum etwas. Ich arbeitete ohnehin von zu Hause aus. Die größten Einschränkungen betrafen Freizeitbereiche wie Fitnessstudio und Restaurantbesuche. Beruflich blieb mein Alltag strukturiert.
Im Herbst 2021 veränderte sich das Team erneut. Volkan entschied sich, seinen eigenen Weg zu gehen.
Damit waren wir nur noch zu zweit.
Ich und mein Geschäftspartner.
In dieser Phase wurden die Zahlen schwieriger. Viele Ansätze, die wir ausprobierten, führten nicht zu dem gewünschten Ergebnis.
Die wenigen Kunden reichten aus, um handlungsfähig zu bleiben, aber nicht für echtes Wachstum.
Wir nutzten unser Wissen, um neue Kunden zu gewinnen, und schlossen auch einzelne Projekte ab. Dennoch war klar: So, wie es lief, konnte es nicht dauerhaft weitergehen.
Ich trug mich schon länger mit dem Gedanken, die Struktur des Unternehmens zu verändern. Eine haftungsbeschränkte Gesellschaft bot aus meiner Sicht mehrere Vorteile, organisatorisch wie strategisch.
Im April 2022 gründeten wir daher die Kunden Maschine UG.
Wir traten einem Unternehmernetzwerk bei und setzten gezielt auf Empfehlungen. Das funktionierte grundsätzlich, brachte aber nicht die Dynamik, die wir brauchten, um wirklich zu skalieren.
Also erinnerte ich mich an das, was bereits früher funktioniert hatte.
2018 hatte ich die Kunden Maschine mit einem klaren Hebel aufgebaut: Kaltakquise.
Uns fehlte jemand, der diesen Bereich konsequent übernahm. Über eine Empfehlung kam schließlich Paul zu uns. Und das war ein Wendepunkt.
Ich kümmerte mich um die guten Kontakte, Paul rief diese an und mein Geschäftspartner führte die Verkaufsgespräche. Danach machte ich nur noch einen kleinen Vertrag mit dem Kunden.
Paul war extrem effektiv. Etwa jeder zehnte Anruf führte zu einem Termin. Und aus zehn Terminen entstanden regelmäßig drei bis vier Kunden. Das veränderte alles.
Ein weiterer entscheidender Unterschied war unsere Positionierung.
Wir arbeiteten konsequent mit Video. Während viele andere Anbieter ausschließlich mit Bildern arbeiteten, setzten wir auf Bewegtbild. Videos schaffen Vertrauen, noch bevor das erste Gespräch stattfindet. Sie ermöglichen Beziehung und genau das machte den Unterschied, besonders im Handwerksbereich.

