Kapitel 1 · Eintrag 1

Kindheit, Computer und das erste Feuer

Die erste Narbe

Es gibt Momente im Leben, die man nicht versteht, während man in ihnen steckt. Momente, die man erst Jahre später begreift – wenn man zurückblickt und erkennt: Genau dort begann es.

Ich war zehn Jahre alt. Die Welt um mich herum war überschaubar: ein kleines Zimmer, eine Schule, die mich nicht wirklich verstand, und ein Vater, der arbeitete, weil er musste. Kein besonderes Zuhause. Keine besonderen Umstände. Aber ein Gerät, das alles verändern sollte.

Ein Computer. Ein echter, mit Bildschirm und Tastatur und dem leisen Surren, das mir bis heute vertraut ist wie ein alter Freund. Es war Liebe auf den ersten Blick. Nicht die romantische Art – die echte. Die Art, bei der man nicht mehr aufhören kann, weil man endlich etwas gefunden hat, das sich richtig anfühlt.

Während andere Kinder draußen spielten, saß ich vor diesem Bildschirm und versuchte, ihn zu verstehen. Nicht nur zu benutzen – zu verstehen. Ich wollte wissen, wie er funktioniert, was hinter den Fenstern steckt, was passiert, wenn man die richtigen Befehle eingibt. Ich experimentierte, scheiterte, versuchte es erneut.

Niemand hat mir das beigebracht. Kein Lehrer, kein Kurs, kein Handbuch. Ich lernte, weil ich wollte. Weil dieser Hunger in mir war – dieser unbedingte Wille, es zu verstehen, es zu beherrschen, damit etwas zu schaffen.

In der Schule war ich kein Musterknabe. Die Noten waren durchschnittlich, die Lehrer hatten wenig Erwartungen. Aber sobald ich vor diesem Computer saß, war alles anders. Ich war in meinem Element.

Das war der Moment, in dem ich zum ersten Mal etwas spürte, das ich damals nicht benennen konnte: Leidenschaft. Die Art von Leidenschaft, die einen antreibt, ohne dass man sich antreiben muss.

Ich wusste nicht, wohin mich das führen würde. Aber ich wusste instinktiv: Das hier bin ich.