Kapitel 1 · Eintrag 1

Die erste Begegnung mit einer neuen Welt

Die erste Narbe

Es war Weihnachten 1988 am Nachmittag, ich war zehn Jahre alt, als sich etwas veränderte. Unter dem Baum lag ein grauer Kasten. Auf der Front prangte ein Name: Commodore C=64. Für viele war es nur ein Computer. Für mich war es der Schlüssel in eine neue Welt.

Ein paar Wochen zuvor war ich bei Verwandten gewesen. Dort stand so ein „Brotkasten". Man konnte darauf nicht nur Spiele spielen, sondern auch programmieren. Schon damals faszinierte mich das und ich wünschte mir sehnlichst, selbst so ein Gerät zu besitzen.

Ich erinnere mich genau an den Moment, als ich ihn einschaltete. Zum ersten Mal erschienen diese hellblauen Buchstaben auf dem Bildschirm. Dieses grelle Blau auf dem blauen Hintergrund wirkte auf mich wie eine Botschaft aus einer anderen Dimension. Es klickte sofort in meinem Kopf. Doch ich wusste nicht, wie ich das Ding überhaupt starten sollte. Also half mir mein Verwandter am Telefon durch die ersten Schritte.

Von da an saß ich stundenlang davor, probierte Befehle aus, verstand nicht alles, aber spürte: Hier ist eine Welt, in der unendlich viel möglich ist.

Meine Eltern sahen nur einen Jungen, der „am Computer spielt". Ich wusste, dass es mehr war. Für mich war es das Gefühl, etwas erschaffen zu können. Ich lernte, wie man Befehle schreibt, kleine Programme bastelt. Ich kaufte mir dicke Bücher und stapelweise Zeitschriften, sog alles auf, was ich finden konnte. Es war Magie: Ich konnte den Bildschirm verändern, Figuren bewegen, etwas Eigenes in die Welt setzen.

In diesen Momenten ahnte ich, dass die Zukunft digital sein würde – und dass ich irgendwann Teil davon sein wollte.

Doch das war Zukunftsmusik. In meiner Realität wartete ein ganz anderer Weg.