Nach der Lehre kam die Bundeswehr. Grundwehrdienst – damals Pflicht. Für viele war es ein notwendiges Übel, für manche eine verlorene Zeit. Für mich wurde es eine Schule des Zusammenhalts.
Die ersten Wochen waren hart. Frühes Aufstehen, Marschieren, stundenlange Übungen, schweres Gepäck. Wir waren alle gleich: kahlgeschoren, müde, verschwitzt. Die Tage verschwammen in Drill, Befehlen und Wiederholungen. Doch zwischen all dem Druck entstand auch etwas anderes: ein Gefühl von Zugehörigkeit.
Ich war anfangs der Erste, der abends ins Bett wollte. Um 22 Uhr war offiziell Nachtruhe. Doch meine Kameraden hatten andere Pläne. Sie tranken Bier, kippten Schnaps, rauchten bis tief in die Nacht. Wer nicht mitmachte, galt als Außenseiter. Also setzte ich mich dazu, trank mit, hielt durch. Irgendwann war ich derjenige, der am längsten durchhielt.
Zwischen Drill und Ritualen gab es auch ernste Momente. Ich erinnere mich an den Tag, als wir zum Truppenübungsplatz marschierten, um mit Gewehr, Maschinengewehr und Pistole zu schießen. Unser Offizier erzählte Geschichten von Unfällen, Soldaten die durch Leichtsinn ums Leben kamen.
Dass diese Warnungen bitter ernst gemeint waren, erlebte ich selbst. Ein Rekrut nahm es nicht genau, hielt sein Gewehr falsch. Als der Offizier zu ihm ging, drehte er sich um und richtete die Mündung direkt auf ihn. In dem Moment krachte die Ohrfeige. Wir alle verstanden sofort: Mit diesen Waffen spielt man nicht.
Nach der Grundausbildung kam ich als Pionier ins Materiallager. Dort war es ruhiger. Neue Kameraden, neues Umfeld, weniger Drill. Lehrgänge, Aufgaben, aber auch viel Zeit zum Nachdenken.
Wenn ich heute zurückblicke, war es keine Phase, in der ich über meine Zukunft nachdachte. Aber sie lehrte mich etwas, das mich bis heute begleitet: Einer alleine kann stark sein – aber im Team bist du unschlagbar.