Kapitel 2 · Eintrag 3

Zwischen Stillstand und Aufbruch

Der Weg in die Selbstständigkeit

Ich arbeitete weiter über die Auftragsbörse. Anfangs lief es gut, richtig gut sogar. Ich bekam regelmäßig Projekte, sammelte Bewertungen, baute mir einen kleinen Namen auf. In dieser CMS-Szene kannte man mich irgendwann. Wer ein sauberes, grafisch starkes Projekt wollte – kam zu mir, da die Kunden immer wieder sagten: „Mich gefielen einfach Ihre Websites besser als die der anderen Leute".

Aber die Ruhe hielt nicht lange. Jeden Monat tauchten neue Freelancer in der Plattform auf. Immer mehr, immer billiger, immer lauter. Die Aufträge wurden kleiner, die Konkurrenz größer. Es fühlte sich an, als würde ich auf einem Markt stehen, auf dem jeder schreit: „Ich mach's günstiger!", und keiner mehr hinhört.

Das zermürbte mich. Ich arbeitete Tag und Nacht, um mitzuhalten. Und trotzdem sah ich andere, die angeblich 10.000 Euro im Monat verdienten – für mich damals unvorstellbar. Zehntausend Euro! Ich selbst kratzte irgendwann an der 5.000-Euro-Marke. Einmal. Und schon im nächsten Monat war wieder fast Ebbe.

So war mein Leben: ein ständiges Auf und Ab. Ein Monat voller Arbeit, der nächste leer. Ich hetzte Projekten hinterher, und sobald ich zu viel arbeitete, fehlte mir die Zeit, neue Kunden zu akquirieren. Selbstständig sein, so merkte ich, bedeutete oft: selbst und ständig.

Ich begann zu hinterfragen. Was mache ich falsch? Was mache ich, wenn es nicht mehr funktioniert? Wie komme ich aus dieser Abwärtspirale raus? Was wird meine Zukunft aussehen?

Ich suchte nach Antworten und stieß immer wieder auf ein Wort: Vertrieb. Ich las Artikel im Internet, las Bücher über Verkaufen, Preispsychologie und Akquise. Aber die Theorie fühlte sich leer an. Ich war kein Verkäufer. Ich war Macher. Ich wollte erschaffen, nicht überreden. Ich war nicht der Typ der ein geborener Verkäufer ist. Aber es musste einen Weg geben.

Mehr dazu im nächsten Kapitel.

Und doch spürte ich, dass ich lernen musste, beides zu sein.


Ich probierte neue Wege: bot Schulungen an, zeigte meinen Kunden, wie sie ihre Webseiten selbst pflegen und Inhalte aktualisieren konnten. Ich wollte ihnen helfen, unabhängig zu sein – und gleichzeitig meine Leistung aufwerten.

Und es funktionierte. Die Kunden waren begeistert. Manche schrieben mir Wochen später, dass sie über ihre neue Website erste Anfragen bekamen – echte Kundenanfragen, über das Kontaktformular, ohne Werbung, ohne Aufwand. Wenn sie mir das erzählten, spürte ich einen tiefen Stolz. Ich wusste: Das, was ich tue, bringt anderen Erfolg.

In diesen Momenten verstand ich etwas Wesentliches. Ich war vielleicht noch kein Unternehmer, aber ich hatte etwas, das viele Unternehmen suchten: eine Lösung, die funktioniert. Und genau das war der Anfang meiner nächsten Entwicklung.

Ich war noch nicht dort, wo ich hinwollte. Aber ich wusste, dass ich auf dem richtigen Weg war. Der Weg war holprig, chaotisch, voller Unsicherheiten – doch jedes Projekt, jeder Kunde, jede durchgearbeitete Nacht brachte mich näher an das, was später mein Leben bestimmen sollte: Menschen durch Marketing zum Erfolg zu führen.