Kapitel 3 · Eintrag 2

Erfolg, Liebe und das erste Kind

Der Beginn von allem

Der Herbst 2012 war ein Wendepunkt. Ich hatte endlich das Gefühl, dass sich all die Mühen der letzten Jahre auszahlen. Immer mehr Kunden kamen – von überall aus Deutschland. 99 Prozent meiner Aufträge waren remote, ich arbeitete von meinem kleinen 30m² Büro im Elternhaus aus, mit Blick auf den Garten, und betreute Kunden in Hamburg, München oder Berlin. Es war spannend, aber ich wollte mehr. Ich wollte auch Menschen kennenlernen, die ich persönlich treffen konnte. Kunden aus meiner Region.

Und das gelang mir. Die ersten Vor-Ort-Termine liefen erstaunlich gut. Wenn ich einmal vor einem Kunden stand, ihn direkt beraten konnte, war das fast immer ein sicherer Auftrag. Diese Projekte waren intensiver. Ich konnte regelmäßig vorbeischauen, Schulungen geben, Strategien erklären – und ich merkte, wie sehr mir das persönliche Arbeiten mit Menschen lag.

In dieser Zeit lernte ich auch sie kennen – meine spätere Frau. Wir verstanden uns sofort. Es war diese Leichtigkeit, dieses Gefühl, dass alles einfach passt. Sie zog bald zu mir, in die Wohnung im Elternhaus. Über uns wohnten Mieter, die halfen, die Kosten zu decken, unten war unser Reich. Wir richteten uns ein, planten Ausflüge, lachten viel und buchten unseren ersten All-Inclusive-Urlaub in die Türkei. Sonne, Meer, Freiheit. Es fühlte sich an, als hätte ich endlich alles gefunden – beruflich und privat.

Auch finanziell lief es gut. Nicht jeden Monat gleich stark, aber stabil genug, dass ich das Gefühl hatte, angekommen zu sein. Zum ersten Mal war da eine gewisse Ruhe in meinem Leben.


Und dann kam das Thema Kinder auf. Sie sprach oft davon, drei Kinder zu wollen. Ich war noch unsicher – dachte mir, dass es vielleicht noch etwas zu früh wäre. Aber irgendwann spürte ich: Wenn nicht jetzt, wann dann? Wir entschieden uns dafür. Im Frühjahr heirateten wir im Kreis der Familie standesamtlich – und danach noch eine kleine Feier. Mein Traum war am Meer zu heiraten – aber es gab einige Hürden.

Im Sommer 2014 war es so weit. Unsere erste Tochter kam auf die Welt – einen Monat zu früh. Ich war der Erste, der sie sah. Dieses winzige Wesen im Brutkasten, so verletzlich und doch so vollkommen. Ich saß davor und spürte, dass alles andere in meinem Leben plötzlich kleiner wurde.

Man sagt, man versteht erst mit der Zeit, was es bedeutet, Vater zu sein. Das stimmt. In diesem Moment war es noch surreal – ein Gefühl zwischen Staunen, Verantwortung und Dankbarkeit. Doch in den Wochen danach, als ich sie auf dem Arm hielt, ihren Herzschlag spürte und sie langsam an Gewicht gewann, wusste ich: Das hier ist das Wertvollste, was ich je erschaffen habe.