Kapitel 3 · Eintrag 4

Verantwortung, Familie und der zweite Versuch

Der Beginn von allem

2017 war ein hartes Jahr. Ich hatte viele Ausgaben, steckte all meine Energie ins Business, und durch den Verrat meines früheren Partners war auch ein Teil meiner Umsätze weggebrochen. Ich musste alles wieder aufbauen, Kunden, Projekte, Vertrauen. Gleichzeitig trug ich die Verantwortung für meine Familie. Wir hatten 2015 ein Haus gebaut, einen Kredit aufgenommen, laufende Kosten. Ich musste zusehen, wie ich alles unter einen Hut bekomme.

Also machte ich weiter. Ich erstellte Websites, half Kunden, ihre Sichtbarkeit zu steigern, und akquirierte neue regionale Aufträge. 2018 kam dann unsere zweite Tochter, unser drittes Kind auf die Welt. Es war anstrengend, aber wunderschön. Ich dachte mir oft: Das hat uns gerade noch gefehlt – und meinte es im besten Sinne. Doch mit drei Kindern stiegen die Anforderungen, finanziell wie zeitlich. Wir brauchten ein größeres Auto, mehr Einnahmen, mehr Struktur.

In dieser Phase kam mir eine Idee: lokale Geschäfte in der Innenstadt online sichtbarer zu machen, kleine Möbelhäuser, Boutiquen und generell Geschäfte die auf Kundenbesuch angewiesen waren um Umsatz zu machen. Ich wollte zeigen, dass man schon mit 5 Euro Werbebudget pro Tag über Facebook und einfache Newsletter neue Kunden gewinnen kann. Also entwickelte ich ein Konzept, das genau das möglich machte.

Im Winter 2018 besuchte ich eine Veranstaltung zur neuen DSGVO. Damals war das ein Riesenthema – viele Unternehmer hatten Angst vor Abmahnungen und Bußgeldern. Gemeinsam mit einem Bekannten organisierte ich im örtlichen Technologiezentrum (ITC II) einen Vortrag, der überraschend zum größten Erfolg der Einrichtung wurde. Der Saal war überfüllt, die Leute standen bis zur Treppe – ein voller Erfolg.

Aus dieser Dynamik entstand ein neues Projekt: die Kunden Maschine. Mein zweiter Geschäftspartner kümmerte sich um die Organisation, besorgte uns ein kostenloses Büro im ITC II mit WLAN und allem Drum und Dran. Ich machte die Kaltakquise, lud Unternehmen zu uns ein, führte Gespräche und schloss Verträge ab. Der Plan war, im ersten Quartal die 50.000 Euro Umsatz zu knacken – und wir waren auf einem sehr guten Weg.


Doch plötzlich änderte sich alles. Eines Tages rief mich mein Partner an – ich war gerade bei einem Termin in einem großen Hotel, um mir mitzuteilen, dass er wegen familiärer Probleme nicht zu einem Kundengespräch mit einem Zahnarzt kommen könne. Der Kunde hatte bereits gekauft, wollte nur noch ein persönliches Treffen. Also übernahm ich und rief den Kunden an.

Doch danach wurde es still. Keine Rückmeldungen mehr, keine Arbeit, kein Engagement. Zuerst machte ich mir Sorgen, vielleicht sei etwas Schlimmes passiert. Doch dann wurde klar: Er war einfach ausgestiegen – ohne Erklärung, ohne Abschluss. Von einem Tag auf den anderen. Ich weiß bis heute nicht warum.

Ich stand wieder alleine da. Geschäftspartner Nummer 2, das gleiche Spiel wie Nummer 1. Wieder Vertrauen, wieder Enttäuschung.

Und das war der Moment, in dem ich endgültig entschied: Nie wieder Geschäftspartner. Ich würde künftig alles alleine aufbauen – mit Mitarbeitern, mit System, mit klarer Struktur. Denn wenn du alles gibst, darf niemand dein Fundament erschüttern. Jedoch muss ich die Arbeitskraft die ich habe maximieren und in Umsatz verwandeln. Mein Ziel stand fest. Irgendwie musste ich 20.000€ in 6 Wochen schaffen. Ich entwickelte Pläne.