Kapitel 3 · Eintrag 5

Der Sprung ins Coaching, Risiko und der Preis des Erfolgs

Der Beginn von allem

2019 war das Jahr, in dem sich alles veränderte. Wir hatten drei Kinder, ein Haus, Verantwortung – und gleichzeitig das Gefühl, dass ich mich beruflich neu erfinden musste. Überall im Internet tauchten plötzlich diese Marketing-Gurus und Coaches auf. Sie sprachen von fünf- und sechsstelligen Monatsumsätzen, von Freiheit, Leichtigkeit, Erfolg. Ihr Versprechen: „Verkaufe dein Wissen, hilf anderen und verdiene damit ein Vermögen."

Ich war fasziniert. Einerseits inspiriert, andererseits skeptisch. Aber ein Gedanke ließ mich nicht mehr los: Wenn andere das schaffen, warum nicht ich?

Also begann ich, mir alles anzusehen – Coachings, Webinare, Strategien. Doch irgendwie passte das alles nicht zu mir. Zu glatt, zu laut, zu unecht. Ich konnte mich mit keinem dieser Gurus identifizieren.

Bis eines Tages im Herbst 2019 das Telefon klingelte.

Ein Bekannter meldete sich, einfach so. Wir plauderten, und irgendwann fragte ich ihn, was er inzwischen so macht. „Ich bin Coach", sagte er. Wir redeten weiter, und ich erzählte ihm von meinem Ziel: 20.000 Euro Umsatz in sechs Wochen. Er lachte und sagte: „Das kann ich dir zeigen." Ich nahm ihn beim Wort. „Wirklich? Mit Garantie?" Er antwortete: „Wenn du alles umsetzt, was ich dir sage – ja. Dann garantiere ich dir, dass du es schaffst."

Virtueller Handschlag. Kein Zögern.

Ich nahm 10.000 Euro Kredit auf, meine wohl größte Investition bis dahin. Als meine Frau den Kontoauszug sah, wurde sie kreidebleich. „Was ist das? 10.000 Euro weg? Ist das ein Betrug?" Ich erklärte ihr, dass ich in ein Coaching investiert hatte – in mich, in unsere Zukunft. Doch sie verstand es nicht. Für sie war viel Geld gleich viel Risiko.

Für mich war es Notwendigkeit.

Die Stimmung zu Hause kippte. Wir stritten oft, über Kleinigkeiten, über Geld, über Zukunftsängste. Ich versuchte, ruhig zu bleiben, zu vermitteln, aber innerlich brannte ich. Ich wollte beweisen, dass es funktioniert.


Und es funktionierte. Sechs Wochen später hatte ich 19.850 Euro Umsatz gemacht, Ziel knapp verfehlt, aber für mich war es ein Durchbruch. Wir feierten. Meine Familie tanzte, lachte, ich spürte zum ersten Mal seit Langem dieses Gefühl von Erleichterung und Stolz. Ich hatte etwas erschaffen, das funktionierte – ein System, das mir zeigte: Ich bin in der Lage, aus eigener Kraft ein Einkommen zu generieren, das mein Leben verändern kann.

Ich schenkte meiner Frau 500 Euro, einfach so. „Geh einkaufen, gönn dir was Schönes", sagte ich. Ich kaufte mir den Laptop, den ich mir schon lange gewünscht hatte, und eine Smartwatch. Ich fühlte mich frei – für einen Moment.

Doch die Wahrheit war: Das Geld war schneller weg, als ich drei zählen konnte. Und ich ahnte damals noch nicht, dass dies nur der Anfang einer viel größeren Reise war – einer Reise, in der ich lernen musste, was wahrer Erfolg wirklich bedeutet.