Vom Eifer gepackt hatte ich mir inzwischen eine kleine, aber sehr engagierte Community aufgebaut. Täglich verwandelte ich Interessenten in Erstgespräche. Die Nachfrage war da. Das System funktionierte. Mein neues Problem hieß: Zeit.
Genau in dieser Phase trat eine Closer-Agentur an mich heran. Sie versprachen mir, den kompletten Vertrieb zu übernehmen. Abschlussgespräche, Follow-ups, Umsatz. Ihr Angebot klang simpel: 10 % Provision. In meiner damaligen Welt erschien das fair, kalkulierbar, logisch.
Was dann passierte, war eine der teuersten Lektionen meines Unternehmerlebens. Innerhalb weniger Wochen verbrannten sie systematisch meine besten Interessenten. Gespräche ohne Struktur, ohne Verständnis für mein Angebot, ohne echtes Commitment. Nach sechs Wochen zog ich die Reißleine.
Das Absurde: Sie wollten mir anschließend noch eine Rechnung stellen – für eine „Leistung", mit der sie mir einen mehrfach sechsstelligen potenziellen Umsatz zerstört hatten.
Learning: Wenn du den Vertrieb abgibst, gibst du das Herz deines Unternehmens ab. Und wenn du ihn abgibst, dann nur, wenn du diese Menschen selbst schulst, begleitest und kontrollierst. Verantwortung kann man delegieren – Verantwortung abgeben ist tödlich.
Im Herbst 2019 verschärfte sich die Lage. Trotz 24/7-Arbeit reichte das Geld nicht mehr. Die finanziellen Probleme wurden real – und sie trafen nicht nur mich, sondern auch meine Familie. Der Druck war enorm.
Ich suchte gezielt nach einem echten Vertriebsexperten. Jemandem, der liefern konnte. Und ich fand ihn.
Ich erinnere mich noch genau an den Anruf von Markus. „Andreas, du hast mir zehn Leads gegeben. Tut mir leid, aber ich konnte nur sechs davon abschließen." Ich lachte und sagte ihm, dass er einen überragenden Job gemacht hatte – denn drei Vertriebler vor ihm hatten aus denselben Leads null Umsatz gemacht. Nur verbrannte Kontakte.
Ab da kam ein Abschluss nach dem anderen. Endlich funktionierte der Vertrieb wieder. Doch dann passierte das Nächste: Markus ging zu einem Vertriebscoach, der ihn komplett auslastete. Und plötzlich stand ich wieder alleine da.
Aber diesmal war etwas anders. Ich wurde aufmerksam. Wer war dieser Coach, der ohne Werbeausgaben konstant neue Kunden gewann? Ich wusste: Das musst du lernen.
Also investierte ich erneut. Ich buchte eines der besten Vertriebscoachings, die ich bis heute erlebt habe. Meine Fähigkeiten explodierten. Ich verstand Gesprächsführung, Einwandbehandlung, Abschlusspsychologie. Ich übernahm den Vertrieb wieder selbst – und lieferte ab.
Rückblickend fühlt es sich an, als hätte ich mich damals wie der „Wolf of Wall Street" durch die Gespräche gespielt. Nicht aus Gier – sondern aus Notwendigkeit. Ich musste liefern. Für mich. Für meine Familie.
In dieser Zeit lernte ich Menschen kennen, die mein Leben nachhaltig prägten. Doch während sich beruflich neue Türen öffneten, zerbrach privat alles.
2020 war das Jahr, in dem sich meine Frau – und mit ihr meine Familie – von mir trennte. Das war für mich die Hölle.