Kapitel 4 · Eintrag 1

Verlust, Kontrolle von außen und ein unerwarteter Halt

Neustart

Mitte 2020 befand ich mich in einer Phase, die emotional wie organisatorisch extrem fordernd war. Trennungen entstehen selten plötzlich. Meist bauen sie sich über längere Zeit auf – leise, schrittweise und oft erst im Rückblick wirklich nachvollziehbar.

Was folgte, waren viele Einschnitte, wie sie in solchen Situationen nicht untypisch sind. Mein Alltag war plötzlich von festen Regelungen geprägt. Auch der Kontakt zu meinen Kindern war klar strukturiert und juristisch geregelt. Für mich persönlich fühlte sich diese Zeit stark fremdbestimmt an, unabhängig davon, was formal richtig oder notwendig war.

Beruflich lief das Unternehmen weiter. Ich hatte mir ein kleines Team aufgebaut: jemand für Funnels, jemand für Werbeanzeigen und ein Vertriebsteam. Die Abläufe funktionierten. Volkan, mein Head of Sales, war in dieser Phase eine enorme Stütze. Er führte Gespräche, schloss ab und sorgte dafür, dass Umsatz entstand.

Meine Steuerberaterin meldete sich damals bei mir und sagte mir, dass es sich um den besten Umsatzmonat seit 2007 handelte. Das zeigte mir, dass die Strukturen trugen – selbst unter maximalem Druck.

Privat sah mein Alltag anders aus. Ich schlief auf einer Matratze im Esszimmer bei meinen Eltern. Dasselbe Zimmer war gleichzeitig mein zweites Büro. Für mich war das kein Thema von Komfort. Es war eine Übergangsphase – und ich akzeptierte sie so, wie sie war.

Rückblickend fragte ich mich oft, warum es zu dieser Trennung kommen musste. Heute sehe ich klarer, dass wir sehr unterschiedliche Vorstellungen von Sicherheit, Risiko und Zukunft hatten. Diese Unterschiede wurden mit der Zeit immer deutlicher und ließen sich nicht mehr überbrücken.


In dieser Zeit lernte ich eine Frau kennen, die später meine Partnerin wurde. Der Kontakt entstand ruhig, ohne Erwartungen. Wir wussten beide um die jeweilige Situation des anderen. Nichts wurde forciert. Wir ließen den Dingen ihren Raum.

Irgendwann stand für mich die Frage im Raum, wie meine Kinder auf sie reagieren würden. Ich wollte nichts erzwingen und nichts beschleunigen. Als es sich richtig anfühlte, nahm ich sie eines Tages einfach mit. Ohne große Worte.

Was dann passierte, überraschte mich selbst. Die Begegnung war offen, herzlich und völlig unaufgeregt. Es fühlte sich nicht fremd an. Eher vertraut. So, als würde etwas zusammenpassen, ohne erklärt werden zu müssen. Für mich war das ein wichtiger Moment und ein innerer Ruhepunkt in einer ansonsten sehr instabilen Zeit.

Mein Alltag bestand damals aus juristischen Terminen, organisatorischen Entscheidungen und dem Versuch, Struktur aufrechtzuerhalten – beruflich wie privat. Es war keine leichte Phase. Aber sie zwang mich, Verantwortung klar zu tragen und bewusster mit mir selbst umzugehen.

Ich begann zu verstehen: Nicht jede Krise bedeutet Stillstand. Manche markieren den Punkt, an dem man beginnt, neu aufzubauen – leiser, klarer und stabiler.